Finanzbildung in der Politik
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„Hey, wann kaufen wir endlich Aktien?“

Ich finde: Wir brauchen viel, viel mehr Finanzbildung in der Politik! Lies hier, was ich mir von Politiker:innen wünsche, damit das Thema mal richtig vorankommt.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Die Menschen in Deutschland haben historisch bedingt besondere Sorge, in den finanziellen Ruin zu geraten. Deine Großeltern pochten als Kriegsgeneration auf Sparbuch, Bausparvertrag und Eigenheim und haben diese Haltung deinen Eltern vermittelt. Mit dem „Schwarzen Freitag“, dem Börsencrash von 1929, wurden Aktien in der öffentlichen Wahrnehmung zur unsicheren Anlage. Was du vielleicht nicht weißt: Wer damals seine Aktien behielt, wurde später reich – im Gegensatz zum:zur Sparbuchbesitzer:in. Deren Geld war nach dem Krieg nichts mehr wert.

Das Geschäft mit der Angst

Selbst wenn du heute anders über Aktien denkst – Verunsicherungen gibt es nach wie vor. Denk mal an die zahlreichen Vorschriften und Vorgaben für Berater:innen und Kund:innen. Es geht immer um ein stetiges Mahnen vor Falschberatung und Betrug. Ergebnis: Endlose Bürokratie, Mehraufwand ohne Mehrwert. Die Anforderungen an Finanzberater:innen sind bei Aktiengeschäften außerdem unverhältnismäßig größer und die Hürden viel höher als bei anderen Anlageprodukten. Berater:innen schreckt das ab. Das Thema intelligente Geldanlage wird so für eine breite Masse undurchsichtiger.

Das muss doch nicht sein!

Norwegen zum Beispiel zeigt, dass das auch anders geht: Die staatseigene Fondsgesellschaft Norges Invest ist etwa eine Billion Euro schwer. Der Staatsfonds ist an fast allen DAX-Unternehmen beteiligt und hat sein Vermögen zum Großteil aus den Renditen der Aktienanlagen gewonnen. In nur 20 Jahren.

Vermögenswirksame Leistungen für jeden Geldbeutel

Wusstest du, dass 1965 ein Vermögensbildungsgesetz beschlossen wurde? Es erlaubte jeder:jedem ein Vermögen aufzubauen – das passierte relativ geräuschlos und quasi nebenbei. Vermögenswirksame Leistungen können seit fast 40 Jahren auch in Aktien angelegt werden. Der Staat fördert dies mit 20 % Sparzulage. Doch wie viele Menschen wissen das? Ich behaupte: die wenigsten. Auch wenn die Börsenkurse eingebrochen sind – wie 1987, 1990/91, 2001 oder 2007 –, waren die Gewinne am Aktienmarkt immer beachtlich. Warum werden vermögenswirksame Leistungen trotzdem so selten über Aktienfonds angespart?

Basics schaffen

Die Begründung, die ich in meinen vielen Jahren Berufspraxis am meisten gehört habe: „Zu riskant!“ oder „Ich weiß zu wenig darüber“. Die Lösung: mehr Wissen über Aktien! Und zwar als Teil der Schulbildung. Was lernen wir nicht alles im Unterricht? Allgemeinbildung ist gut und wichtig. ABER: Wissen über Wirtschaft und Finanzen schafft Unabhängigkeit und Augenhöhe. Wer Bescheid weiß, wie Aktienkurse und Börsen funktionieren, hat mehr Sicherheit bei seiner Strategie.

Was kann die Politik besser machen?

Verbraucherschutz ja, aber bitte mit Bedacht! Keine Ängste schüren, sondern Vermögensaufbau sinnvoll möglich machen. Schutzvorschriften sollen schützen, aber nicht behindern oder verunsichern. Ich finde, die Kund:innen sollen selbst verantwortungsbewusst entscheiden können. Zusammen mit ihrem:ihrer Berater:in. Macht Wirtschaft zum Unterrichtsfach, packt Finanzwissen in die Lehrpläne, hört auf den Rat von Fachleuten. Junge Menschen wünschen sich praktisches und anwendbares Wissen.

Was hast du in der Schule über Aktien gelernt? Wie ist deine Meinung zu Wirtschaft als Unterrichtsfach? Lass es mich wissen – ich freue mich auf deine Sicht und bin neugierig auf deine Ideen!

Auf bald,

Euer Burghard

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